AUSSTELLUNG

Holzfäller Architekt Baumeister – Der Biber ist zurückgekehrt

17. März bis 1. September 2013
im Küefer-Martis-Huus
Eine Ausstellung der Naturmuseen Thurgau und Olten ergänzt mit Informationen zur Einwanderung und Verbreitung des Bibers in Liechtenstein, kuratiert von Michael Fasel
Sa 16. März, 18.00 Uhr
Ausstellungseröffnung
mit Kurzreferat von Michael Fasel, Dipl. Biologe und Ausstellungskurator

Die Ausstellung
Seit ca. 4 Jahren ist der lange ausgestorbene Biber wieder nach Liechtenstein zurückgekehrt. Die Ausstellung gibt Einblick in Biologie, Verhalten und Lebensraum des imposanten Nagetiers. Sie besteht zum einen aus der Wanderausstellung „Baumeister Biber“ der Naturmuseen Thurgau und Olten und zum anderen aus lokalen Aspekten, Erhebungen und Fundstücken, die der Liechtensteiner Biologe Michael Fasel zusammengestellt hat. Ergänzt wird die Ausstellung von eindrucksvollen Aufnahmen des Ruggeller Naturfotografen Xaver Roser.

Eine Geschichte der Ausrottung und Wiederansiedlung
Wie in der Schweiz dürfte der Biber auch bei uns etwa Anfang des 19. Jahrhunderts ausgerottet worden sein. Begehrt war das Fell, das Fleisch und das als Heilmittel eingesetzte Drüsensekret ?Bibergeil“, ein stark riechender Markierungsstoff aus der Analdrüse der Männchen. In Klöstern wurde der Biber wegen seiner schuppigen Schwanzkelle als Fisch bezeichnet, weshalb sein Fleisch auch in der Fastenzeit gegessen werden durfte.
Zwischen 1950 und 1970 wurden in der Schweiz 141 skandinavische Biber ausgesetzt. Daraus entwickelte sich eine Population, die heute über 2000 Tiere umfasst. Die ersten Biber gelangten 2008 vom Bodensee her über die Riedlandschaften bis zur Mündung des Liechtensteiner Binnenkanals in unser Land und verbreiten sich seither. In Liechtenstein dürften derzeit ca. 10 bis 15 Tiere leben.
Nach einer Abwesenheit von über 150 Jahren haben die wieder eingesetzten Biber eine vom Menschen stark veränderte Landschaft vorgefunden. Viele Talgewässer waren begradigt, die Übergangszonen zwischen Wasser und Land und die für den Biber wichtigen Auenwälder waren weitgehend verschwunden. Trotzdem hat sich der Biber erfolgreich von Ruggell bis Balzers ausgebreitet. Das zeigt, wie anpassungsfähig diese Tierart ist.

Ein Pionier der Biodiversität
Biber sind intelligente Baumeister. Entfernt man einen Biberdamm mitsamt dem Biber aus einem Gewässer, wird der Damm vom nächsten Biber an der gleichen Stelle wieder aufgebaut. Mit dem Bauwerk verändert der Biber ganze Landschaften. Der steigende Wasserspiegel schafft Überflutungsflächen und Sümpfe und wandelt Trockenwälder in Auenwälder um. Dadurch schafft er neue Lebensräume für viele wasserliebende Tierarten, die aufgrund der Entwässerungen unserer Landschaft selten geworden sind. Biber fördern somit die Biodiversität.
Das aufgestaute Wasser erfüllt für den Biber mehrere wichtige Funktionen: Der Eingang zur Wohnhöhle kann unter Wasser angelegt werden, was vor Raubtieren schützt. In den Uferzonen vermehrt sich seine Lieblingsnahrung, die Weiden, und auf dem Wasser kann er leichter Holz für seine Dämme flössen.
Von 1989 bis 2000 wurde der Ruggeller Binnenkanal von der Einmündung in den Rhein 1,8 km flussaufwärts etappenweise revitalisiert. Der Biber profitierte von den Massnahmen. Die relativ grosse renaturierte Fläche und das hohe Nahrungsangebot sind so attraktiv für den grossen Nager, dass er auf seiner Wanderung vom Bodensee rheintalaufwärts hier optimale Bedingungen fand, um Familien zu gründen. So ist wahrscheinlich der revitalisierte Binnenkanal die entscheidende Pforte der Bibereinwanderung in den Liechtensteiner Talraum.

Zwischen Zivilisation und Natur
In der Liechtensteiner Tallandschaft sind Überflutungen generell nicht erwünscht. Deshalb führen Bibervorkommen oft zu harten Konflikten. Überflutete Landwirtschaftsflächen zerstören Ernten oder setzen Drainagen ausser Kraft. Ein Grossteil unserer Rietgewässer sind Hochwasserentlastungsgräben und Rückhaltebecken, die keine Aufstauung vertragen. Deshalb müssen bestimmte Talgewässer biberfrei gehalten werden. An anderen Gewässern, wo weniger Gefahr für Hochwasser besteht, kann der Biber gefördert werden. Ein Überleben des Bibers ist deshalb in der Liechtensteiner Tallandschaft grundsätzlich möglich. Wenn das Nahrungsangebot stimmt, besiedelt er auch unnatürliche Gewässer, die er durch Stauungen an seine Bedürfnisse anpasst. Ein rund 10 Meter breiter naturnaher Streifen entlang eines Gewässers genügt dem Biber in der Regel als Lebensgrundlage.

Fotografie: Xaver Roser, Ruggell
Die Fotos des Naturfotografen Xaver Roser aus Ruggell zeigen die ersten Biber nach der Wiedereinwanderung am Ruggeller Binnenkanal. Während zahllosen Begehungen und mit viel Geduld hat sich Xaver Roser den Tieren nähern können, ohne sie zu stören. Dabei sind ihm authentische Aufnahmen in freier Natur gelungen, die uns einen einzigartigen Blick auf das Leben der Ruggeller Biber erlauben.